Offenbarung 21,7 (Teil 1)

Die Überwinder stehen mit Harfen am gläsernen Meer, mit Feuer gemengt (Buchmalerei um 1255–1260) – Offenbarung 21,7

Offenbarung 21,7 Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein. Noch immer spricht der, der auf dem Thron sitzt. Gerade hat er versprochen: „Ich will den Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst“ (Offenbarung 21,6; siehe Offenbarung 21,6 (Teil 2)). Die Erlösung ist für alle frei und kostet nichts. Doch nun nennt Gott die eine Bedingung, unter der dieses Geschenk in unserem Leben wirksam wird: überwinden. Und er nennt das Ergebnis: Wer überwindet, wird alles erben. Die erste Frage, die wir uns hier stellen müssen: Was bedeutet es eigentlich, zu überwinden?

Das Überwinden begegnet uns in der Offenbarung immer wieder. Jede der sieben Gemeinden wird dazu aufgerufen, angefangen bei Ephesus: „Wer überwindet, dem will ich zu essen geben vom Holz des Lebens, das im Paradies Gottes ist“ (Offenbarung 2,7), bis hin zu Laodizea: „Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Stuhl zu sitzen, wie ich überwunden habe und mich gesetzt mit meinem Vater auf seinen Stuhl“ (Offenbarung 3,21). Was lernen wir daraus, dass alle sieben Gemeinden aufgefordert werden? Überwinden ist keine Besonderheit der Endzeit. Es ist nicht so, dass Christen früher einfach glauben mussten und wir heute einen besonderen, heiligeren Glauben bräuchten. Das Grundproblem ist für alle dasselbe, und die Bedingung ist für alle dieselbe. Durch alle Jahrhunderte war das Überwinden die grundlegende Erfahrung jedes Gläubigen.

Und noch etwas sagt uns Laodizea: Wir sollen überwinden, wie Jesus überwunden hat. Jesus selbst ist der große Überwinder: „Siehe, es hat überwunden der Löwe, der da ist vom Geschlecht Juda, die Wurzel Davids“ (Offenbarung 5,5). Überwinden ist also nichts, was getrennt von Jesus oder zusätzlich zu ihm geschieht. Wie er überwunden hat, so sollen auch wir überwinden.

Wie das geht, zeigt uns Offenbarung 12. Dort wird der „Verkläger unserer Brüder“ verworfen, „der sie verklagte Tag und Nacht vor Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod“ (Offenbarung 12,10–11). Satan schleudert den Gläubigen Tag und Nacht seine Anklagen entgegen. Und er erfindet die Sünden nicht, die er ihnen vorhält. Ellen G. White beschreibt das so: „Satan kennt die Sünden genau, zu denen er Gottes Volk verführt hat, und er bringt seine Anklagen gegen sie vor und erklärt, dass sie durch ihre Sünden den göttlichen Schutz verwirkt hätten, und beansprucht das Recht, sie zu vernichten. Er erklärt sie für ebenso verdient wie sich selbst, von der Gunst Gottes ausgeschlossen zu werden. ‚Sind das‘, sagt er, ‚die Leute, die meinen Platz im Himmel einnehmen sollen und den Platz der Engel, die sich mit mir verbunden haben?‘“ PK 588.3 (Ellen G. White, Prophets and Kings, dt. „Propheten und Könige“, S. 588). Satan fragt also: Wie kann Gott mich wegen Stolz und Auflehnung aus dem Himmel werfen und Menschen, die dieselben Sünden begangen haben, an meine Stelle setzen? Doch Jesus antwortet: „Der Herr schelte dich, Satan. Ich habe mein Leben für diese Seelen gegeben. Sie sind in meine Handflächen eingezeichnet. Sie mögen Charaktermängel haben; sie mögen in ihren Bemühungen versagt haben; aber sie haben bereut, und ich habe ihnen vergeben und sie angenommen.“ PK 589.1 (Ellen G. White, Prophets and Kings, dt. „Propheten und Könige“, S. 589).

Das griechische Wort für überwinden, nikao, bedeutet siegen. Ein Sieger ist man nur dort, wo es einen Kampf gibt, und hier ist es der große Kampf zwischen Christus und Satan. Wodurch werden die Gläubigen Sieger? Das Blut des Lammes ist für alle Menschen da, aber nicht alle sind Sieger. Die Überwinder glauben, dass das Blut Jesu für sie spricht, dass Jesus ihr persönlicher Erlöser ist, denn „das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde“ (1. Johannes 1,7). Und sie bekennen es: Sie sprechen von dem, was sie glauben. Glaube und öffentliches Bekenntnis, das macht sie zu Siegern. Ein Bild dafür ist die Taufe, ein öffentliches Bekenntnis: Jesus ist für mich gestorben. Und schon beim Auszug aus Ägypten strichen die Israeliten das Blut des Lammes an die Türpfosten, denn Gott hatte gesagt: „Und das Blut soll euer Zeichen sein an den Häusern, darin ihr seid, daß, wenn ich das Blut sehe, an euch vorübergehe“ (2. Mose 12,13). Sie glaubten, dass das Blut hilft, und sie bezeugten es sichtbar. Der Sieg besteht also nicht darin, dass wir uns nach dem Glauben noch anstrengen, um etwas umzusetzen. Der Sieg besteht im Glauben und im Bekenntnis zu diesem Glauben.

Dann heißt es noch: „und haben ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod“. Das ist eigentlich kein dritter Punkt, sondern es zeigt, welche Priorität Glaube und Bekenntnis bei ihnen hatten: Sie waren ihnen wichtiger als das eigene Leben. Manche Menschen glauben begeistert an Gott, bis zu einem bestimmten Punkt. Dann kreuzt Gottes Wort eine Lieblingssünde, die Familienplanung oder die eigenen Zukunftspläne, und der Glaube hört auf. Der Glaube der Überwinder geht bis ans Ende. Natürlich verändert das das ganze Leben, und natürlich gehören Werke dazu. Wir tun ohnehin ständig Werke. Die biblische Frage ist nie, ob mit oder ohne Werke, sondern: meine Werke oder Gottes Werke in mir? Tue ich selbst etwas, um Gott zu gefallen, oder lasse ich ihn durch seinen Heiligen Geist in mir wirken, indem ich ihm mein Herz übergebe? So sagt Jakobus: „durch die Werke ist der Glaube vollkommen geworden“ (Jakobus 2,22).

Besonders deutlich wird das Überwinden in der Endzeit: „Und ich sah wie ein gläsernes Meer, mit Feuer gemengt; und die den Sieg behalten hatten an dem Tier und seinem Bild und seinem Malzeichen und seines Namens Zahl, standen an dem gläsernen Meer und hatten Harfen Gottes“ (Offenbarung 15,2). Diese Überwinder besiegen nicht nur Satan, sondern auch seine Werkzeuge auf religiös-politischer Ebene, das Tier und sein Bild. Wie werden wir siegreich sein, wenn sich am Ende die ganze Welt gegen Gottes Volk verbündet? Durch dieselben zwei Dinge, die damals die Herrschaft Ägyptens zusammenbrechen ließen: das Blut des Lammes und das Wort des Zeugnisses, als Lebensprinzip bis ans Ende.

Wie aber hat Jesus überwunden? Er brauchte das Blut des Lammes nicht, denn er war ohne Sünde. Bei seiner Taufe hatte der Vater gesagt: „Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe“ (Matthäus 3,17). Vierzig Tage später, halb verhungert in der Wüste, hört er: „Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden.“ Jesus musste glauben, dass Gottes Wort wirklich meint, was es sagt. Und er antwortete: „Es steht geschrieben: ‚Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.‘“ (Matthäus 4,3–4). Er hat Gottes Wort nicht nur für wahr gehalten, er hat sich dazu bekannt und es Satan ins Gesicht gesagt. Und er war bereit, lieber zu sterben, als zu sündigen. Auch Eva hätte siegen können, nicht durch das Blut eines Lammes, sondern indem sie einfach Gottes Wort geglaubt hätte, als die Schlange fragte: „Ja, sollte Gott gesagt haben …?“ (1. Mose 3,1). Das Entscheidende ist der Glaube; und weil wir Sünder sind, glauben wir an das Blut des Lammes, das uns gerecht macht. Denken wir auch an die drei Freunde Daniels: „Siehe, unser Gott, den wir ehren, kann uns wohl erretten aus dem glühenden Ofen … Und wo er’s nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, daß wir deine Götter nicht ehren“ (Daniel 3,17–18). Das heißt, das Leben nicht lieben bis an den Tod.

Überwinden bedeutet also: Gott beim Wort nehmen, egal was er sagt und egal, wie es uns geht. Das ist ein Kampf, vor allem gegen das eigene Ich. Ellen G. White schreibt: „Der Kampf gegen das eigene Ich ist der größte Kampf, der je ausgefochten wurde. Das eigene Ich aufzugeben und alles dem Willen Gottes zu übergeben, erfordert einen Kampf; aber die Seele muss sich Gott unterwerfen, bevor sie in Heiligkeit erneuert werden kann.“ SC 43.3 (Ellen G. White, Steps to Christ, dt. „Der Weg zu Christus“, Kapitel „Weihe“, S. 43). Aber es ist ein Kampf, den jeder gewinnen kann, denn jeder kann vertrauen. Menschen gehen am Ende nicht verloren, weil sie zu wenig geleistet, sondern weil sie zu wenig vertraut haben. Jesus hat überwunden, weil er seinem Vater vertraut hat, was auch geschah, selbst am Kreuz, als er nicht mehr sehen konnte, ob der Vater ihn noch liebt.

Und was erben die Überwinder? Alles. Die Bibel nennt einiges davon: Gott „erhöht den Armen aus dem Kot, daß er ihn setze unter die Fürsten und den Stuhl der Ehre erben lasse“ (1. Samuel 2,8). „Die Weisen werden Ehre erben“ (Sprüche 3,35). Jesus wird sagen: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!“ (Matthäus 25,34). Wir sind berufen, „daß ihr den Segen erbet“ (1. Petrus 3,9). Und dieses Erbe vergeht nie: Gott hat uns wiedergeboren „zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel“ (1. Petrus 1,4). Es bleibt immer frisch, es hat kein Ablaufdatum. Gott zählt nicht nur ein paar Dinge auf; er sagt: alles. Alles, was er geben kann, das ewige Leben, den Thron, die Ehre, den Segen, kann jeder umsonst haben, der ihm unter allen Umständen glaubt, ihm folgt und sich zu ihm bekennt. Und dazu das Schönste: „ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.“

Eigentlich ist das gar nicht schwer. Und doch kämpft Satan genau dagegen. Immer wieder flüstert er: „Sollte Gott wirklich gesagt haben? Dem kannst du nicht vertrauen, nimm dein Leben selbst in die Hand.“ Sieger im großen Kampf ist, wer über Gottes Wort denkt wie Jesus. Darum ist die Frage an uns heute: Sind wir bereit, Jesus unter allen Umständen zu bekennen, zu ihm zu stehen, ihm zu glauben und wie er aus dem Wort Gottes zu leben, was auch geschieht? In welchem Bereich unseres Lebens haben wir noch nicht den Sieg? Wo siegt Satan zu oft über uns? Gerade dort dürfen wir fragen: Wie kann der Glaube an das Blut Jesu, wie kann unser Bekenntnis zu ihm und unser Leben aus seinem Wort uns zu Siegern machen? Paulus fragt: „welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ (Römer 8,32). Gott will uns alles geben, was er hat. Er kann es nur denen geben, die ihm vertrauen, und die werden Überwinder sein.

« Offenbarung 21,6 (Teil 2)

zurück zur Startseite