Offenbarung 21,6 (Teil 1)

Offenbarung 21,6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will den Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Gott sitzt auf seinem Thron und spricht zu Johannes. Kurz davor hat er gesagt: „Siehe, ich mache alles neu!“ Jetzt folgen zwei gewaltige Sätze: „Es ist geschehen“ und „Ich bin das A und das O“. Was wollen sie uns sagen?
Zuerst müssen wir uns bewusst machen, wer hier redet. Wenn Johannes jemanden auf dem Thron sieht, dann ist das Gott der Vater. Gott lässt Johannes aufschreiben: „Diese Worte sind wahrhaftig und gewiss.“ Meistens gibt Gott den Schreibern der Bibel Gedanken, Visionen und Geschichten, und sie fassen sie in ihre eigenen Worte. Bei den Zehn Geboten aber hat Gott selbst geschrieben, mit seinem eigenen Finger (2. Mose 31,18). Ähnlich ist es hier: Wir haben ungefiltert vor uns, was Gott der Vater selbst auf seinem Thron gesagt hat. Das ist ein sehr feierlicher Moment. Gott sieht den an, „der sich fürchtet vor meinem Wort“ (Jesaja 66,2). Lesen wir diese Worte mit dieser Ehrfurcht?
„Ich mache alles neu“ gilt aber nicht erst für die neue Erde. „Ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur“ (2. Korinther 5,17). Gott will die Erde ganz neu machen, und er will genauso unser Herz ganz neu machen. Auf der neuen Erde würden wir keinen Rest vom Fluch akzeptieren. Warum sollten wir dann die Sünde in unserem Herzen mitschleppen wollen? Die Erde wird zweimal gereinigt: einmal durch das Wasser der Sintflut und nach den tausend Jahren durch das Feuer. Die Sintflut ist ein Bild für die Taufe (1. Petrus 3,20–21). Das Wasser konnte die Sünde aber nicht auf Dauer ausrotten. Darum sagt Johannes der Täufer: „Der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen“ (Matthäus 3,11). Die Wassertaufe ist ein äußeres Zeichen. Die eigentliche Erneuerung geschieht durch den Heiligen Geist, denn „die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist“ (Römer 5,5). Gottes Liebe ist wie eine „Flamme des HERRN“ (Hohelied 8,6): Weil Gott den Sünder liebt, hasst er die Sünde, die uns von ihm trennt (Jesaja 59,2).
Nun zum ersten Satz unseres Verses: „Es ist geschehen.“ Etwas ist zu seinem Ende gekommen. Denselben Ruf hören wir schon bei der siebten Plage: „Es ging aus eine Stimme vom Himmel aus dem Stuhl, die sprach: Es ist geschehen“ (Offenbarung 16,17). Mit der siebten Plage kommt die Wiederkunft Jesu, und die Geschichte der Menschheit, wie wir sie kennen, ist zu Ende. Diese Idee von „geschehen, vollbracht, vollendet“ zieht sich durch alle entscheidenden Momente der Heilsgeschichte. Wo finden wir sie überall?
- Bei der Schöpfung: „Also ward vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer“ (1. Mose 2,1). Danach ruht Gott, nicht weil er erschöpft ist, sondern weil er fertig ist (Hebräer 4,10). Er segnet und heiligt den Sabbat (1. Mose 2,3). Segnen heißt in der Schöpfungsgeschichte vermehren (1. Mose 1,22.28): Gott wollte, dass es ganz viele Sabbate gibt.
- Am Kreuz: „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19,30). Danach ruht Jesus den ganzen Sabbat über im Grab und steht am Sonntag auf.
- Am Ende der Gnadenzeit: Das Opfer Jesu ist vollkommen, aber es muss von uns angenommen werden. Die Rechtfertigung geschieht in dem Moment, in dem wir Gottes Gnade annehmen; die Heiligung nimmt ein ganzes Leben in Anspruch. Wenn Jesus im himmlischen Heiligtum sein Räucherfass hinwirft, ist die Heiligung der Gläubigen vollendet. Sie sind versiegelt und können ohne Fürsprecher durch die letzte Zeit gehen. Ellen G. White verbindet den Ruf „Es ist geschehen“ genau mit diesem Ende der Gnadenzeit (vgl. Der große Kampf, S. 613; Frühe Schriften, S. 279). Der Sabbat ist das Zeichen dieser Heiligung: „…damit sie lernten, daß ich der HERR sei, der sie heiligt“ (Hesekiel 20,12).
- Bei der Neuschöpfung der Erde: Hier in Offenbarung 21,6 hören wir den Ruf zum letzten Mal. Jetzt ist wirklich alles getan.
Wenn wir also den Sabbat halten, dann tun wir es, weil Gott uns geschaffen hat, weil Jesus uns am Kreuz erlöst hat, weil er ein Zeichen der Heiligung ist, die wir Tag für Tag erleben dürfen, und weil er eine Vorfreude auf die neue Erde ist. Auf jedes „Es ist vollbracht“ folgt die Ruhe. „Darum ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes“ (Hebräer 4,9). Josua hat Israel nach Kanaan geführt, aber diese Ruhe war nur ein Vorbild (Hebräer 4,8; Psalm 95,11). Die eigentliche Ruhe kommt erst, wenn alle Werke vollendet sind. Sehnen wir uns nach dieser Ruhe?
Dann sagt Gott: „Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende.“ Alpha ist der erste und Omega der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Auf Deutsch müssten wir eigentlich sagen: Gott ist das A und das Z. Schon im Alten Testament sagt Gott: „Ich bin der Erste, und ich bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott“ (Jesaja 44,6), und: „Ich bin’s, ich bin der Erste, dazu auch der Letzte“ (Jesaja 48,12). Das erinnert an den Namen, mit dem Gott sich Mose vorstellt (2. Mose 3,14). Gott ist nicht der Erste, der irgendwann entstanden ist, und nicht der Letzte, der irgendwann vergeht. Er existiert aus sich selbst heraus, ohne Anfang und ohne Ende. Darum ist er für alles andere Anfang und Ende.
Wer sagt diese Worte in der Offenbarung? In Offenbarung 1,8 spricht „der da ist und der da war und der da kommt“. In Offenbarung 1,4–5 wird er neben den sieben Geistern, also dem Heiligen Geist (vgl. Jesaja 11,2), und neben Jesus Christus genannt. Das ist ein schönes Bild der Dreieinigkeit, und so wissen wir: Es ist der Vater. Aber auch Jesus sagt von sich: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte“ (Offenbarung 1,17), und am Ende des Buches: „Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte“ (Offenbarung 22,13). Was der Vater über sich sagt, sagt Jesus genauso über sich. Jesus ist genauso Gott wie der Vater; er kommt „in der Herrlichkeit seines Vaters“ (Matthäus 16,27).
Was bedeutet das nun ganz praktisch für uns, die wir uns auf die Wiederkunft vorbereiten? Paulus bringt es auf den Punkt: „…daß, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi“ (Philipper 1,6). Gott ist nicht nur das A und O des Universums, er ist auch das A und O unseres Glaubens. Niemand kommt von sich aus zu Gott. Wer glaubt, der glaubt, weil Gott in seinem Leben schon angefangen hat; wie beim Wind, von dem wir nicht wissen, woher er kommt (Johannes 3,8). Darum dürfen wir „aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens“ (Hebräer 12,2).
Kennen wir die Angst: Werde ich es schaffen? Werde ich ans Ziel kommen? Oft denken wir: Jesus hat viel für mich getan, jetzt bin ich dran und muss mich anstrengen. Natürlich müssen wir mit ihm zusammenarbeiten, ihn jeden Tag in unser Herz lassen und auf ihn hören. Aber er ist es, der das Werk tut, vom Anfang bis zum Ende. Gott lässt nichts halbfertig liegen. Er wird nie sagen: „Es hat leider nicht gereicht.“ Wenn wir uns an ihn klammern, führt er zu Ende, was er angefangen hat, bis unser Charakter auf der neuen Erde Bestand hat. Wollen wir ihm das heute zutrauen?
