Offenbarung 21,8 (Teil 2)

Offenbarung 21,8 Der Verzagten aber und Ungläubigen und Greulichen und Totschläger und Hurer und Zauberer und Abgöttischen und aller Lügner, deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der andere Tod. Beim letzten Mal haben wir uns ausführlich mit dem ersten Begriff dieser Liste beschäftigt, mit den Verzagten. Gemeint sind nicht Menschen, die sich vor Spinnen fürchten, sondern solche, die vom Glauben zurückweichen. Gleich danach kommen die Ungläubigen. Im Griechischen steht hier das Wort apistos, das Gegenteil von gläubig: glaubenslos. Die Liste derer, die verloren gehen, beginnt also mit zwei Begriffen, bei denen es um den Glauben geht. Doch dann stehen da ganz andere Begriffe: Greuliche, Totschläger, Hurer, Zauberer, Abgöttische und Lügner. Die Frage, die wir uns hier stellen müssen: Was haben diese Begriffe mit dem Glauben zu tun, und was entscheidet am Ende darüber, auf welcher Seite wir stehen?
Dass der Glaube am Anfang steht, ist kein Zufall. Das Einzige, was wir brauchen, um gerettet zu werden, ist der Glaube: „Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,16). Und umgekehrt: „Aber ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er sei und denen, die ihn suchen, ein Vergelter sein werde.“ (Hebräer 11,6). Der Gegensatz zur Feigheit ist der Glaube, so wie es der Hebräerbrief sagt: „Der Gerechte aber wird des Glaubens leben, Wer aber weichen wird, an dem wird meine Seele keinen Gefallen haben.' Wir aber sind nicht von denen, die da weichen und verdammt werden, sondern von denen, die da glauben und die Seele erretten.“ (Hebräer 10,38–39).
Schauen wir uns nun die übrigen Begriffe an. Was fällt uns an ihnen auf? Es sind Menschen, die gegen die Zehn Gebote handeln. Totschläger übertreten das sechste Gebot, Hurer das siebte, Abgöttische das erste und zweite, Lügner das neunte. Und auch Zauberei und Greuel sind Begriffe aus dem erweiterten Gesetz Mose. Am Anfang der Liste steht also der Glaube, danach das Gesetz, und beides hängt eng zusammen. Dabei ist diese Liste nicht vollständig. In der Bibel gibt es immer wieder ähnliche Listen, und wenn wir sie nebeneinanderlegen, bekommen wir ein immer deutlicheres Bild.
Maleachi beschreibt das Gericht so: „Und ich will zu euch kommen und euch strafen und will ein schneller Zeuge sein wider die Zauberer, Ehebrecher und Meineidigen und wider die, so Gewalt und Unrecht tun den Tagelöhnern, Witwen und Waisen und den Fremdling drücken und mich nicht fürchten, spricht der HERR Zebaoth.“ (Maleachi 3,5). Wieder begegnen uns Zauberer und Ehebrecher, dazu die Meineidigen, also Menschen, die schwören und dabei lügen. Dazu kommen Betrüger, die Tagelöhner, Witwen und Waisen um ihr Recht bringen. Und am Schluss steht etwas, das wieder an den Anfang zurückführt: Sie fürchten Gott nicht. Neben den konkreten Geboten geht es also immer auch um die Beziehung zu Gott.
Paulus bringt solche Listen in mehreren Briefen. An die Korinther schreibt er: „Wisset ihr nicht, daß die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasset euch nicht verführen! Weder die Hurer noch die Abgöttischen noch die Ehebrecher noch die Weichlinge noch die Knabenschänder noch die Diebe noch die Geizigen noch die Trunkenbolde noch die Lästerer noch die Räuber werden das Reich Gottes ererben.“ (1. Korinther 6,9–10). Hier kommen weitere Beispiele dazu, wie das siebte Gebot übertreten wird, außerdem Diebe und Räuber, die gegen das Gebot „Du sollst nicht stehlen“ handeln, und die Lästerer. Auffällig sind die Trunkenbolde. Hier geht es um biblische Gebote, die unseren Lebensstil und unsere Gesundheit betreffen. Manche meinen: Die Zehn Gebote mögen ja wichtig sein, aber was ich esse und trinke, ist allein meine Sache und hat mit der Erlösung nichts zu tun. Paulus sieht das anders. Und er sagt ausdrücklich: „Lasset euch nicht verführen!“ Warum wohl? Weil man sich hier irren kann. Weit verbreitet ist der Gedanke: Ich glaube, dass Gott existiert und dass Jesus für mich gestorben ist, und darum kann ich trotzdem so weiterleben wie bisher. Paulus sagt klar: Die Ungerechten werden das Reich Gottes nicht ererben.
Wer aber ist dann ein Gerechter? Die Bibel kennt zwei Arten von Gerechtigkeit. Über unsere eigene heißt es: „Aber nun sind wir allesamt wie die Unreinen, und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein unflätig Kleid. Wir sind alle verwelkt wie die Blätter, und unsre Sünden führen uns dahin wie Wind.“ (Jesaja 64,6). Alles, was der Mensch aus sich selbst an Gerechtigkeit hervorbringen kann, reicht nicht aus. Darum kündigt Daniel an, dass der Messias „die ewige Gerechtigkeit“ bringen wird (Daniel 9,24), eine Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Gott selbst sagt: „So spricht der HERR: Haltet das Recht und tut Gerechtigkeit; denn mein Heil ist nahe, daß es komme, und meine Gerechtigkeit, daß sie offenbart werde.“ (Jesaja 56,1). Und worin wird diese Gerechtigkeit offenbar? In Jesus Christus. Paulus schreibt: „Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben, die Juden vornehmlich und auch die Griechen. Sintemal darin offenbart wird die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie denn geschrieben steht: 'Der Gerechte wird seines Glaubens leben.'“ (Römer 1,16–17). Gerecht sind die, die die Gerechtigkeit Jesu für sich angenommen haben. Sie bedeckt ihre Sünden und verändert ihr Leben, sodass sie immer mehr das tun und sagen, was Jesus getan und gesagt hat. Wie schön beschreibt das Jesaja: „Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam, mit priesterlichem Schmuck geziert, und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt.“ (Jesaja 61,10).
Die bekannteste dieser Listen sind die Werke des Fleisches: „Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen, Fressen und dergleichen, von welchen ich euch zuvor gesagt und sage noch zuvor, daß, die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben.“ (Galater 5,19–21). Paulus wiederholt sich hier bewusst, weil es ihm so wichtig ist. Neben Bekanntem wie Ehebruch, Abgötterei, Zauberei, Mord und Saufen nennt er nun Feindschaft, Hader, Neid, Zorn und Zank. Damit geht er an die Wurzel: Alle diese Dinge haben ihren Ursprung in Selbstsucht und Neid. Paulus will uns keine Liste mit sechs oder sieben Punkten geben, die wir abhaken, um dann zu sagen: Jetzt bin ich in Ordnung. Er zeigt an Beispielen, dass ein fleischliches Herz immer zu solchen Dingen neigt. Auch wer behauptet, zu Jesus zu gehören, aber ständig Streit sucht und ihn noch größer macht, statt ihn zu schlichten, zeigt damit ein fleischliches Herz.
An die Epheser schreibt Paulus: „Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer oder Unreiner oder Geiziger, welcher ist ein Götzendiener, Erbe hat in dem Reich Christi und Gottes. Lasset euch niemand verführen mit vergeblichen Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens.“ (Epheser 5,5–6). Bemerkenswert ist, was er über den Geiz, die Habsucht, sagt: Der Geizige ist ein Götzendiener. Die Habsucht steht der Sache nach im zehnten Gebot, und wer das zehnte Gebot übertritt, übertritt auch das erste. Die Gebote hängen zusammen, so wie Jakobus sagt: „Denn so jemand das ganze Gesetz hält und sündigt an einem, der ist's ganz schuldig.“ (Jakobus 2,10). Es geht also nicht um einzelne Listen, die wir abarbeiten, sondern um ein Prinzip. Wir brauchen eine echte Bekehrung. Wenn diese Dinge unser Leben bestimmen, in welcher Form auch immer, dann fehlt uns Christus. Und Paulus warnt vor „vergeblichen Worten“, vor einem falschen Evangelium, das „Friede, Friede“ verkündet, wo keiner ist.
Noch eine Liste finden wir im ersten Brief an Timotheus: „Wir wissen aber, daß das Gesetz gut ist, so es jemand recht braucht und weiß solches, daß dem Gerechten kein Gesetz gegeben ist, sondern den Ungerechten und Ungehorsamen, den Gottlosen und Sündern, den Unheiligen und Ungeistlichen, den Vatermördern und Muttermördern, den Totschlägern den Hurern, den Knabenschändern, den Menschendieben, den Lügnern, den Meineidigen und so etwas mehr der heilsamen Lehre zuwider ist …“ (1. Timotheus 1,8–10). Hier kommt die Übertretung des fünften Gebots hinzu, und über allem stehen die allgemeinen Begriffe „Gottlose und Sünder“. Aber was meint Paulus, wenn er sagt, dem Gerechten sei kein Gesetz gegeben? Der Gerechte gerät mit dem Gesetz nicht in Konflikt, er hält es ja ohnehin. Das Gesetz ist wie ein Spiegel: Es zeigt dem Sünder, wo er nicht mit Gottes Willen übereinstimmt. Wie schön das im Himmel aussieht, beschreibt Ellen G. White: „Doch im Himmel wird der Dienst nicht im Geist der Gesetzlichkeit getan. Als Satan sich gegen das Gesetz Jehovas auflehnte, kam den Engeln der Gedanke, dass es ein Gesetz gibt, fast wie ein Erwachen zu etwas, woran sie nie gedacht hatten. In ihrem Dienst sind die Engel nicht wie Knechte, sondern wie Söhne. Zwischen ihnen und ihrem Schöpfer herrscht vollkommene Einheit. Gehorsam ist für sie keine Last. Die Liebe zu Gott macht ihren Dienst zur Freude.“ MB 109.2 (Ellen G. White, Thoughts from the Mount of Blessing, S. 109; deutsch: Das bessere Leben). Wer ewig leben möchte, braucht das Gesetz, um überhaupt zu erkennen, dass er einen Erlöser braucht, den er annimmt und durch dessen Gerechtigkeit er wirklich gerecht wird. Ähnliche Listen finden sich auch im Kolosserbrief (Kolosser 3,5–8) und im Römerbrief.
Offenbarung 21 sagt nun mit anderen Worten genau dasselbe wie Paulus. Wir stehen hier gleichsam an der letzten Kreuzung, denn als Nächstes wird die Sünde ausgelöscht. Offenbarung 20 beschreibt ausführlich, was in den tausend Jahren und danach geschieht. Doch eine Frage bleibt: Was muss ich tun, um auf der richtigen Seite zu stehen? Die Verse 5 bis 8 fassen das ganze Evangelium zusammen: „Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will den Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.“ (Offenbarung 21,5–7). Das Fundament von allem ist, dass Gottes Wort wahrhaftig und gewiss ist. Gott hat als das A und das O alles in seiner Hand. Und er bietet das Wasser des Lebens an, für jeden, der Durst hat, umsonst. Niemand muss sich erst qualifizieren oder Vorbedingungen erfüllen; wir dürfen kommen, wie wir sind.
Auf dieses Angebot gibt es nur zwei Antworten. Die einen überwinden, und wie das geschieht, zeigt uns die Offenbarung: „Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod.“ (Offenbarung 12,11). Das Blut des Lammes ist nur ein anderes Bild für das Wasser des Lebens: Das Blut reinigt uns, das Wasser schenkt ewiges Leben. Die Überwinder glauben das, sie bekennen sich gern dazu, dass Jesus sie frei gemacht hat, und sie bleiben treu bis in den Tod. Die anderen weichen zurück, allen voran die Verzagten. Wer nicht glaubt, bleibt in seinen Sünden, und dann stehen all diese Sünden in seinem Leben. Was bedeutet das im Umkehrschluss? Der Glaube bewirkt, dass diese Sünden nicht mehr da sind. Die Überwinder halten Gottes Gesetz, aber nicht, indem sie ständig auf die Zehn Gebote schauen und sich sagen: Das muss ich tun, und das auch. Sie halten es, weil sie sich bis in den Tod zum Blut des Lammes bekannt haben. Das Wasser des Lebens hat sie gereinigt und in ihnen den Gehorsam bewirkt, mit dem sie gern zusammenarbeiten. So beschreiben diese wenigen Verse das ganze Evangelium auf wunderbar ausgewogene Weise. Dazu passt auch Offenbarung 22: „Selig sind, die seine Gebote halten, auf daß sie Macht haben an dem Holz des Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt.“ (Offenbarung 22,14).
Halten wir fest: Wir alle haben die Möglichkeit, am Ende auf der richtigen Seite zu stehen. Das Wasser des Lebens fließt umsonst, heute, hier und jetzt. Wir müssen es annehmen, uns dazu bekennen, glauben, dass Jesus unser persönlicher Erlöser ist, und dann Tag für Tag mit ihm leben und an ihm festhalten, was auch immer Satan uns in den Weg legt. Wer aber zurückweicht und an seinen Sünden festhält, statt sie in das Blut des Lammes zu tauchen, geht verloren. Eine Grauzone gibt es nicht. Wollen wir heute mit allen unseren Sünden, den kleinen und den großen, den verborgenen und den bekannten, zum Wasser des Lebens kommen und uns von Jesus reinwaschen und verwandeln lassen? Wollen wir ihn bitten, dass wir jeden Tag von diesem Wasser trinken dürfen?
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