Kapitel 3.1 – Der letzte Kampf

Der letzte Kampf
Die Entscheidung, mit Gott zu brechen, war einer der traurigsten Momente in meinem Leben. Gleichzeitig war ich nie ein Mensch, der schnell aufgibt. Meine Eltern haben mich stets zur Eigenständigkeit ermutigt, wofür ich ihnen heute sehr dankbar bin.
Diese Erziehung führte dazu, dass ich früh auf mich allein gestellt war und viele Entscheidungen selbst treffen musste. Rückblickend war das sehr gut für mich. Denn wirkliches Lernen geschieht dadurch, dass man Fehler zulässt. An dieser Stelle möchte ich meinen Eltern ausdrücklich danken: Danke, dass ihr mich Fehler machen ließet und mich gleichzeitig immer bestmöglich dabei unterstützt habt, die Konsequenzen zu tragen und daraus zu lernen.
Aber was war dieser große Bruch mit Gott?
Bevor ich vierzehn Jahre alt geworden war und noch nicht strafmündig war, machte ich mit meinen damaligen Freunden einige Einbrüche. So nebenbei brannten wir auch einen Kaugummiautomaten auf. Bei den Einbrüchen wurden wir nicht ertappt. Als ich jedoch eines Nachts gemeinsam mit meinen Freunden einen Kaugummiautomaten aufbrach, wurden wir dabei erwischt und angezeigt.
Nach einiger Zeit stand plötzlich die Polizei bei uns zu Hause, und ich musste mit zur Polizei fahren. Auf dem Polizeiposten wurden wir dann befragt. Nach einiger Zeit begann ein Kollege von mir zu erzählen, was wir gemacht hatten. Anscheinend hatte ihn das alles sehr bedrückt, sodass er zu reden begann.
Wäre ich damals bereits über vierzehn Jahre alt gewesen, hätte mein Leben heute vielleicht anders ausgesehen.
Jahre später stellte ich immer wieder fest, dass Gott auf mich geschaut hatte, obwohl ich überhaupt nichts mit ihm zu tun haben wollte. Aber anscheinend wollte er etwas mit mir zu tun haben. Anscheinend suchte er immer und immer wieder den Kontakt zu mir – wie ein Vater, der den Kontakt zu seinem Sohn sucht. Obwohl ich Gott schon längst in meinem Herzen aufgegeben hatte, ließ er meine Hand niemals los.
Als diese ganze Geschichte vorbei war und ich nach der Polizei nach Hause gekommen war, war ich persönlich etwas bedrückt. Als ich in die Gesichter meiner Eltern blickte, tat mir die Tat an und für sich nicht leid. Aber der traurige und weinende Blick meiner Mutter traf mich.
Als ich ihr in die Augen sah, wäre ich lieber ins Gefängnis gekommen, als noch länger in diese Augen zu schauen.
Während ich sie so ansah, ließ ich mir meine Gedanken nicht anmerken. Ich blieb gelassen und kühn und verzog keine Miene. Heute erschrecke ich mich noch darüber, wie oft ich emotionslos geblieben bin, obwohl es mich innerlich zerriss.
Es war einfach schwer für mich, Gefühle nach außen zu tragen. Für mich persönlich galten solche Dinge als Schwäche, und diese Schwäche wollte ich einfach nicht nach außen zeigen.
Als ich so in der Küche stand, begann plötzlich mein Vater mit mir zu reden. Er sagte zu mir:
„Heute kann sich dein Leben ändern. Wenn du heute umkehrst und dich endlich Gott zuwendest, kannst du Großes für Gott tun.“
Als er das zu mir sagte, blickte ich weiterhin zu meiner Mutter. Ich tat so, als wäre mein Vater überhaupt nicht im Raum, doch seine Worte nahm ich auf wie ein Schwamm das Wasser.
Von einer Sekunde auf die andere drehte ich mich um, ging ins Untergeschoss und ließ mir eine Badewanne ein.
Immer wieder durchdrangen mich die Worte meines Vaters, und ich merkte, dass ich für Gott da sein wollte – so, wie er auch immer für mich da gewesen war.
Auf einmal verspürte ich diesen unbeschreiblichen Drang, aus dem Wasser zu gehen. Den Drang, es endlich ernst zu nehmen. Den Drang, die Bibel in die Hand zu nehmen.
Aber ich tat es nicht.
Ich blieb lieber liegen. Und genau das machte ich schließlich auch.
Ab diesem Tag war es mir nicht mehr möglich, eine Verbindung zu Gott aufzubauen. Jegliche Verbindung, jegliche Erfahrungen waren von diesem Tag an verschwunden. Tag für Tag entfernte ich mich immer weiter von Gott, bis ich ihn überhaupt nicht mehr wahrnahm.
Und das weltliche Leben hatte mich wie verschlungen.
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